Tag 57 – Elvis has left the Building. Ein Resümee

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Gestern war es so weit. Ich bin den Hof zweimal abgegangen. Keine Ente mehr zu finden. Auch schwamm noch Salat im Pool mit frischem Wasser. Es ist Fakt: Auch die letzten Enten haben den Hof verlassen.

Ich habe es geschafft. Nach sieben Wochen sind auch die letzten Enten der dritten Generation der Rheinstraßenküken flügge. Die erste Generation, die vom Schlüpfen bis zum Wegfliegen auf dem Hinterhof geblieben ist.

Immerhin neun der ursprünglichen zwölf Küken haben es geschafft. Das ist ein mehr als guter Schnitt gegenüber den Chancen in der freien Natur. Und ich habe Feedback von anderen Enteneltern, bei denen teilweise kein einziges Küken überlebt hat. Oft waren Krähen, aber auch Marder etc. der Grund dafür. Unser Hof bietet wohl deutlich mehr Schutz als so manch anderer.

Nun heißt es die Daumen zu drücken, dass sie in der Natur schnell lernen, was eine Gefahr darstellt und wie man ihnen aus dem Weg geht. Aber da habe ich keinen Einfluss mehr drauf. Ich habe acht gesunde Enten in die Natur entlassen, um eine hat sich die Feuerwehr und danach ein mir unbekannter Tierarzt gekümmert. Was mir wichtig war: Sie sind nicht handzahm. Sie sollten immer misstrauisch bleiben, damit sie Gefahren aus dem Weg gehen.

Mir hat es wirklich Spaß bereitet, die rasante Entwicklung der Bande zu beobachten und das mit der Welt zu teilen. Und wie ich aus vielen Gesprächen weiß: Die Enten haben es auch ins Herz von vielen anderen geschafft, die meine kleinen Videos auf Facebook genossen haben, hier im Blog mitgelesen haben.

Die Enten haben insgesamt 62kg pelletiertes Trockenfutter verputzt. Die Kopfsalate, die ich verfüttert habe – ich habe sie nicht wirklich gezählt. Genauso wenig, wieviel Wasser ich den Enten gegeben habe und wie viel Wasser ich in die zwei Evolutionsstufen des Pools gekippt habe. Aber die Kosten dafür konnte ich mit Spenden bestreiten, für die ich nochmals danke möchte. Dank dieser Spenden gab es auch einen größeren Pool, Filtermaterial für den Aquarienfilter, der am Pool hing…

Die Spendenbereitschaft war groß. Nicht nur Geld, sondern auch andere Dinge wurden gespendet. Der Aquarienfilter wurde genauso für den Pool gestiftet, wie ein Couchtisch als Schutz. Der hat es übrigens jetzt hinter sich. Ist eben nicht für den Outdoor Einsatz gemacht. Aber das ist egal, er hat bis zum Ende seinen Zweck erfüllt. Auch wenn ich sie letztendlich nicht gebraucht habe, war es auch toll, dass ich eine Hundebox geliehen bekommen hatte.

Danken möchte ich auch den Nachbarn für ihre Unterstützung, die die Enten gefüttert haben, wenn ich unterwegs war, der Nachbarin, die die verletzte Ente von der Feuerwehr abholen lies. Und ich bin auch sehr dankbar für den fachlichen Rat im Entenforum, wenn ich einmal nicht weiter wusste.

Klar, es war natürlich auch Arbeit. Und wenn ich ehrlich bin: Ein wenig bin ich auch froh, dass die jetzt vorbei ist. Das ist schon ein großer Zeitfresser. Sowohl das ständige Wasserwechseln des Pools, das Abspritzen des Hofs, weil die Enten natürlich kleine Ferkel sind. Und auch wenn ich gerne über das Thema geschrieben habe, Fotos und Videos aufgenommen habe. Auch das kostet Zeit.

Den Hof muss ich jetzt noch aufräumen, das habe ich meiner Vermieterin versprochen. Und natürlich lagere ich jetzt den Pool, den Filter und alles andere ein, nachdem ich es sauber gemacht habe. Wer weiß – vielleicht gibt es kommendes Jahr wieder Rheinstraßenküken.

Bis dahin: Grüßt mir die Enten am Rhein. Vielleicht ist eine davon im Hinterhof in der Rheinstraße groß geworden.

Euer Entenpapa KLE/Bernd

Tag 55/56 – Es sind nur noch Tick, Trick und Track

Manchmal mache ich mir einfach zu viele Gedanken. Einfangen, Auswildern? Die trauen sich doch eh nicht in die Hundebox, genauso wenig, wie sie sich wegzufliegen trauen. Wirklich? Den Part mit dem Wegfliegen streichen wir nach und nach. Denn bei der Zählung gestern waren es nur noch 5, wieder eine weggeflogen.

Die Bande muss eben nur genug Zutrauen auf ihre Flugfähigkeiten bekommen und dann fliegen sie auch. Also animiert der Papa sie ab und an dazu, indem er sie vor sich hertreibt. Und siehe da: Ich bekomme sie dazu, dass sie vor mir wegfliegen. Fliegen können sie also. Leider klappt das nicht immer und natürlich vor allem dann nicht, wenn man es filmt. Was ja eigentlich schon wieder Murpheys Gesetz ist.

Mitgezählt? Ja, es sind heute nur noch 3 Enten. Nennen wir sie einmal Tick, Trick und Track. Also sind am gestrigen Abend oder heute Morgen wieder 2 weggeflogen. Ob sie die Mutter abgeholt hat, kann ich nicht sagen. Die Mutter haben ich seit 3 oder 4 Tagen nicht mehr gesichtet. Und ich stehe ja auch nicht ständig am Fenster.

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Ich habe jetzt das Futter reduziert, damit sie sich nicht mehr ganz so wohl auf dem Hof fühlen. Keine Angst, ich lasse sie nicht verhungern, aber sie sollen sich nicht mehr wie im Schlaraffenland fühlen. Eine Zusatzmotivation, damit sie sich doch mal überlegen, wegzufliegen. Zudem ist mein Futter fast alle und ich will kein neues mehr kaufen. Nicht aus Geiz, es kamen ja genug Spenden, sondern einfach weil ich den Großteil davon vermutlich wegwerfen müsste danach.

Bilder von der Feuerwehraktion

Ich habe von Sabrina Handyfotos von der Rettung der einen verletzten, aber mir entwischten Ente bekommen, die ich Euch nicht vorenthalten will.

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An dieser Ecke beim Holzturm wurde die verletzte Ente gefunden. Mainzer wissen, wo das ist.

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Verschüchtert kauerte sie auf am Grünstreifen.

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Eingefangen kam die Ente in eine Transportbox.

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Die Mainzer Berufsfeuerwehr ist auf solche Aktionen vorbereitet. Sie haben ein spezielles Fahrzeug für die Tierrettung, wie man an der Ausstattung sieht.

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Bei welchem Tierarzt die Ente gelandet ist, hat Sabrina bei der Feuerwehr per Mail angefragt. Aber ich denke, das ist jetzt nicht von übertriebener Wichtigkeit. Es ist wichtiger, dass sie versorgt ist.

Tag 54 – ich muss sie wohl doch selbst auswildern

Zunächst einmal an alle, die die Kommentare hier im Blog nicht lesen: Die verletzte Ente ist inzwischen in guten Händen. Eine Nachbarin hat sie entdeckt, die Feuerwehr gerufen, die sie eingefangen haben und zu einem Tierarzt gebracht haben. Wie ich inzwischen weiß, die selbe Nachbarin, die mich auch auf die Enten im Nachbarhof informiert hatte. Dort sind die Enten verschwunden. Das sind wohl die zwei Enten, die auf unseren Hof zurückgekehrt sind.

Solange die verletzte Ente da war, waren die anderen nicht mehr so aktiv. Seitdem sie weg ist, ist alles wieder wie vorab. Nur eben zu sechst. Wobei: Die Mutter sieht man immer seltener. Und es läuft normal so ab: Die Mutter führt den Nachwuchs zum Gewässer. Noch wissen die ja nicht, dass es da draußen eine andere Welt gibt. Und die müssen die langsam mal erkunden. Nur wie bringe ich sie raus?

Ich starte einen Versuch. Über FB habe ich jemanden gefunden, der mir eine Transportbox für Hunde geliehen hat. Probieren wir mal, ob man das als Falle nutzen kann. Mit Salat möchte ich sie da reinlocken.

Hunde Box

Denn wenn die Enten etwas lieben, dann ist das frischer Salat.

Noch sind sie nicht rangegangen. Ich übe mich in Geduld…

Tag 52 – man will helfen, kann aber nicht…

Heute Morgen waren es wieder 6, später 7 Enten auf dem Hof. Doch eine der Enten hat sich wohl auf ihrem Ausflug verletzt. Sieht nach einem gebrochenen Bein aus.

Ich konnte nicht sofort aus dem Office, fing aber an zu recherchieren. Wer zahlt eigentlich, wenn man einen Wildvogel zum Tierarzt bringt? Rufen wir doch einfach doof einen Tierarzt an. Der sagte mir, wenn man ein Wildtier anbringt, dann muss man nichts bezahlen. Schon einmal gut. Aber, der Tierarzt verwies mich auf das Tierheim.
Das Tierheim hatte keinen Arzt da, der ist frühestens Mittwoch da. Doof. Wiederum der Verweis: Tierart anrufen, gibt Tierärzte, die mehr mit Wildtieren zu tun haben und einen Arztnamen. Der hat erst morgen früh wieder Sprechstunde. Aber der erste Tierarzt hatte mir einen Kollegen empfohlen, der ebenfalls mit Wildtieren umgeht. Der hatte ab 18 Uhr Sprechstunde. Also warten bis 18 Uhr. Dort angerufen, ja ich könne die Ente bringen.

Aber ich muss sie erst einmal einfangen.

Ich schnappte mir eine Decke und einen Karton für den Transport. Motto: Erst einmal alleine probieren, wenn es nicht klappt, finde ich sicher einen Nachbarn der hilft. Der Ente genähert und zack war sie in der Luft und flog weg in einen anderen Hof. Ich war noch nicht annähernd so weit, dass ich die Decke hätte werfen können.
Auf einen Stuhl gestellt und in den Nachbarhof (ein anderer als gestern) und rüber gesehen, ob sie da gelandet ist. Nichts gesehen, aber das Tor stand dort offen zu einer Nebenstraße. Gehen wir einmal rüber. Eine Nachbarin auf dem Balkon dort meinte, die Ente wäre durch das Tor geflogen. In der Nebenstraße habe ich sie dann wiedergefunden.

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Wie man sieht: Sie steht auf einem Bein. Aber die Flügel – tippitoppi! Ich kam nicht nahe genug ran und der Flug ging wieder los. Es war ne ruhige Seitenstraße, aber es ging zur vielbefahrenen Rheinstraße. Glücklicherweise zog sie hoch, um über die Autos zu kommen. Ich rannte hinterher, aber als ich an der Kreuzung war, war sie schon nicht mehr zu sehen.

Ich hätte so gerne geholfen. Aber entweder war ich nicht geschickt genug, oder die Ente zu fix. Auf jeden Fall hatte ich keine Chance. Die ließ sich einfach nicht einfangen. Hoffen wir, dass sie irgendwie in der Natur überlebt und das Bein wieder heilt. Einfluss habe ich leider keinen mehr darauf.

Abschließend habe ich den Tierarzt noch einmal angerufen, dass ich doch nicht komme. Nicht, dass der den Feierabend rauszögert, weil da noch so ein Depp kommt mit einer Ente. Er drückt mit mir die Daumen, dass es die Ente da draußen schafft.

Wenn einer in der Altstadt eine humpelnde Ente entdeckt, sagt bitte Bescheid. Vielleicht bekommen wir sie ja doch noch zum Arzt…